Allgemeine Behandlungsgrundsätze

 

Das strenge österreichische Psychotherapiegesetz bestimmt, dass Psychotherapeuten und Psychotherapeutinnen keine Information weitergeben dürfen, die sie im Laufe einer Therapie von Klienten bekommen haben. Auf diese Weise ist wird eine absolute Verschwiegenheit sichergestellt.

Psychotherapie beruht auf einer wechselseitig vertrauensvollen Beziehung zwischen Klient/Klientin und Therapeut/Therapeutin. Man wird demnach besonders in der Anfangsphase prüfen, ob auf beiden Seiten die persönlichen Voraussetzungen für eine solche Beziehung gegeben sind.

Eine psychotherapeutische Behandlung kann nur gelingen, wenn der Klient wirklich bereit ist, alte Gewohnheiten aufzugeben und - Schritt für Schritt - "ein Anderer" zu werden; die Motivation des Klienten ist ebenso wichtig, wie das Bemühen des Therapeuten.

Symptome und "Krankheit": Wer krank ist, hat ein Recht auf Heilbehandlung (Therapie). Was aber gilt im psychischen Bereich als "krank"? Bei genauerem Überlegen stellen Sie rasch fest, dass jeder einzelne der folgenden Vorschläge nur beschränkte Gültigkeit hat: Persönliches Leiden? (demnach wäre ich krank wenn ich meinen verstorbenen Partner/Partnerin sehr vermisse), Extremfälle? (dann wäre auch Albert Einstein krank gewesen), Urteil von Experten? (dieses kann im Lauf der Zeit oder von Land zu Land variieren), Meinungen der Bevölkerung? ... Bei einer persönlichen Entscheidung für die Inanspruchnahme einer Psychotherapie dominiert zwar meist das persönliche Leid.

In der Praxis hat es sich durchgesetzt, dass man sich bei Diagnosen am Manual der Weltgesundheitsorganisation orientiert: Das ICD (International Classification of Diseases - Chapter V (F)). Ein solcher "Standard" hat zwei große Vorteile: Erstens, man versteht auf der ganzen Welt unter einer bestimmten Krankheit X dasselbe, und zweitens: auch für die Forschung werden damit einheitliche Standards gesetzt. Die psychotherapeutische Praxis ist von solchen Kategorienbildungen nicht betroffen.

Jede psychotherapeutische Behandlung orientiert sich an ethischen Prinzipien: Erhöhtes Risiko - Gefährdung jeder Art, persönliche Diskriminierung aus irgendwelchen Gründen, sexuelle Belästigung u.a.m. sind nicht zulässig. Verletzungen der ethischen verbindlichen Regeln können jederzeit angezeigt werden. Dafür sehen die psychotherapeutischen Vereinigungen und das Psychotherapiegesetz Disziplinarkommissionen und strenge Strafen vor.

Therapeutinnen und Therapeuten unterliegen einer ständigen Fortbildungs- und Supervisionspflicht.